Vierwaldstättersee

Ein perfekter Tag am Vierwaldstättersee

So verregnet war der Sommer in der Schweiz schon lange nicht mehr, wie in diesem Jahr (2014). Also musste die geplante mehrtägige Wanderung leider ins Wasser fallen. Es sei denn, man wollte unfreiwillig zum Katastrophentouristen werden – ich wollte nicht. Also hieß es das Beste daraus machen und das fällt in Luzern nicht schwer. So hatte ich ein paar Tage, um die Gegend ausgiebig zu erkunden.

Ich entschied mich für eine Wanderung auf die Rigi. Goethe beschrieb den Ausblick von dort oben als den schönsten der Welt und Marc Twain war der Meinung, dass man die Schweiz nicht besucht haben kann, wenn man nicht auf der Rigi war – also Pflichtprogramm.

Von Luzern aus hat man mehre Möglichkeiten auf die Rigi-Kulm zu gelangen. Wenn man sich an Marc Twain orientiert, dann beginnt man mit dem Aufstieg in Weggis. Von Luzern aus fahren stündlich Schiffe auf dem Vierwaldstättersee nach Weggis, so dass man den Ausgangspunkt der Wanderung bequem und stressfrei erreichen kann.

HInweisschild Wanderweg Weggis-VierwaldstätterseeSobald man von Bord gegangen ist, sieht man sofort die in der Schweiz üblichen Beschilderungen für Wanderwege: Rigi-Kulm 4 Stunden 10 Minuten. Inklusive der Rot-Weiß-Markierung, was soviel heißt wie: diesen Weg sollte man nicht mit Turnschuhen beschreiten. Ordentliche Wanderschuhe sind also angesagt!

Wenn man nicht so gut zu Fuß ist, kann man übrigens auch die Luftseilbahn von Weggis nach Rigi-Kaltbad nehmen. Von dort geht es dann mit der Zahnradbahn weiter bis auf den Gipfel. Und wem in Luftseilbahnen unwohl ist, der fährt mit dem Schiff eine Station weiter nach Vitznau und nimmt gleich die Zahnradbahn.

Für mich stand aber fest, dass ich den Weg nach oben zu Fuß in Angriff nehmen wollte. Der Weg führt aus dem Ort Weggis heraus in Richtung Felsentor. Kurz hinter dem Ort wird man sogleich vom ersten Geläut der Kuhglocken in Empfang genommen. Dabei kam mir die Erzählung von Marc Twain in den Sinn, der sich so sehr über den ersten Alpenjodler freute, den er auf seinem Weg traf. Er wurde der Jodelei aber ziemlich schnell überdrüssig, so dass er den ersten noch fürstlich für seinen Gesang entlohnte, den nächsten und übernächsten schon weniger fürstlich, die darauf folgenden ignorierte und schlussendlich für das Schweigen zahlte. Leider lassen sich Kühe nicht dazu bewegen, mal den Kopf still zu halten – also begleitet mich das Geläut unaufhörlich auf dem gesamten Weg.

Bis auf die Kühe herrschte auf dem gesamten Weg bis nach Rigi-Kaltbad jedoch absolute Ruhe. Fast kein Mensch begegnete mir unterwegs.  Allenfalls der ein oder andere Bauer der sich um sein Kühe oder Ziegen kümmerte.

Wanderweg im Nebel

Der untere Abschnitt des Weges führt durch dichte Wälder. Das viele Wasser der letzten Tag bahnte sich seinen Weg nach unten. Überall waren die Bäche angeschwollen und auf hervorstehenden Felswänden konnte man immer noch sehen, wie das Wasser darüber ran. Hinzu kam dichter Nebel, so dass man sich im Wald versunken fühlen musste.

Felsentor

Felsentor

Ein erstes Etappenziel erreicht man mit dem Felsentor –  nach etwa knapp der Hälfte der Strecke. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um eine Felsenformation mit torartigem Charakter. Kurz davor hat die Stiftung Felsentor einen kleinen Selbstbedienungs-Imbiss mit Vertrauenskasse eingerichtet. Von der Terrasse aus hat man eine sehr schöne Rundumsicht. Zum Glück verzog sich der tiefhängende Nebel auch langsam.

Nach dem man das Felsetor passiert hat, führt der Weg noch ein Stück durch den Wald. Es dauert aber nicht lange bis sich der Wald lichtet und ein ziemlich steiles Stück hinauf nach Rigi-Kaltbad führt. Dieser kleine Ort liegt auf etwa 1400 Meter Höhe und ist nicht nur Endpunkt der Luftseilbahn sondern bietet auch ein Minieralbad und mehrere Hotels. Außerdem befindet sich hier die Haltestelle Rigi Kaltbad-First der Zahnradbahn, um auf den Gipfel zu gelangen – sofern man denn möchte.

Von Rigi-Kaltbad aus sind nun nur noch knapp 400 Höhenmeter zu überwinden. Am einfachsten ist es, einfach den Schienen der Zahnradbahn nach oben zu folgen.

 

Blumenpfad – Kleine Glockenblume; Orchidee

Edelweiß Bratwurst http://www.edelweissrigi.ch/index.php/essen-und-trinken-rigi

http://www.rigikulm.ch/ Rigi-Kulm-Hotel (Kulm Etymologie -> http://de.wikipedia.org/wiki/Kulm_(Geographie))

Von Weggis aus bis zum Gipfel waren es gerade einmal 3 und eine 1/4 Stunde. Wie Marc Twain es geschafft haben will, dafür glatte drei Tage unterwegs zu sein ist mir ein Rätsel. Allein am Wetter kann es mit Sicherheit nicht gelegen haben. In seinem Text spricht er von klettern- nach heutigem Sprachgebrauch handelt es sich bei der Route aber eher um Wandern auf gelegentlich steileren Wegen – man muss also kein geübter Wanderer sein, um diese Strecke zu bewältigen. Abgesehen davon kann man fast jederzeit auf ein anderes Verkehrsmittel wechseln.

Kosten:

  • mit dem Schiff von Luzern nach Weggis und zurück 28 CHF
  • Eine Edelweisbratwurst plus Gedränk am Imbis ca. 15 CHF
  • Ein Kaffee am Felsentor (http://www.felsentor.ch/) für 4 CHF

Gesamt: ca. 50 CHF pro Person – für Schweizer Verhältnisse ein echtes Schnäppchen. Und weil wir ordentlich gespart haben, ist am Abend noch ein Menü im Lapin in Luzern für knapp 50 CHF  im Budget.